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Die Fakultät trauert um Joachim Krautter

11.3.2026

Professor Joachim Krautter verstarb am 4. Februar 2026 in Neckargemünd. Er war fast während seiner ganzen wissenschaftlichen Karriere an der Landessternwarte Königstuhl (LSW) und der Fakultät für Physik und Astronomie der Universität Heidelberg tätig.

Joachim Krautter wurde am 29. November 1948 in Stuttgart geboren, wo er auch aufwuchs und zur Schule ging. Nach seinem Physikstudium an der Universität Stuttgart kam er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand unter der Betreuung von Immo Appenzeller an die LSW. 1978 promovierte er an der Universität Heidelberg in Astronomie mit einer Dissertation zum Thema „Die Verteilung des interstellaren Staubes in der Sonnenumgebung“. Er war als Postdoktorand an der Europäischen Südsternwarte (ESO) und am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching tätig, bevor er 1984 als festangestellter Mitarbeiter an die LSW zurückkehrte. 1989 begann er seine Lehrtätigkeit an der Universität Heidelberg; 1995 wurde er zum Professor ernannt. Zwei Jahrzehnte lang war Joachim Krautter stellvertretender Direktor der LSW und kurzzeitig auch ihr kommissarischer Leiter. Nach seiner Emeritierung im Jahr 2014 blieb er seinem Heimatinstitut als Gründungsmitglied und Vorsitzender des Fördervereins eng verbunden.

Joachim Krautters wissenschaftliches Interesse galt dem kosmischen Staub, der Entstehung junger Sterne, kataklysmischer Variabler, und explosiven Sternausbrüchen, den sogenannten Novae. Er war ein erfahrener und vielseitiger Beobachter, der für seine Forschung Instrumente unterschiedlichster Art nutzte, darunter das historische 16-Zoll Bruce-Teleskop auf dem Königstuhl, die großen Teleskope der ESO auf La Silla sowie Satelliten, die den gesamten Wellenlängenbereich vom Infraroten bis zu Röntgenstrahlung abdeckten. Er arbeitete eng mit Kollegen und Freunden in Europa und den Vereinigten Staaten zusammen und nutzte stets die neuesten Technologien und modernsten Weltraumobservatorien, um mehr über seine Lieblingsobjekte am Himmel zu erfahren. Sein großes Interesse an astronomischen Instrumenten zeigte sich auch in den Vorlesungen über Beobachtungstechniken, die er regelmäßig für Studenten und Doktoranden in Heidelberg hielt.

Aufgrund seines Organisationstalents und seiner diplomatischen Fähigkeiten wurde Joachim Krautter in wichtige Ämter auf nationaler und europäischer Ebene gewählt. Besonders hervorzuheben ist seine Präsidentschaft der Astronomischen Gesellschaft von 2002 bis 2005 und der Europäischen Astronomischen Gesellschaft (EAS) von 2006 bis 2010. Die EAS war zu dieser Zeit noch eine junge Gesellschaft. Er trug aktiv zu ihrem Ziel der Vernetzung der europäischen Astronomie bei, indem er die Organisation der JENAM-Konferenzen leitete, der gemeinsamen Tagungen der EAS mit einer nationalen Gesellschaft. 2009 erhielten diese Tagungen als EWASS, die jährliche Europäische Woche der Astronomie und Weltraumforschung, einen neuen Namen. Als Präsident der EAS knüpfte Joachim Krautter zudem Kontakte zur Klaus Tschira Stiftung und erwirkte ihre finanzielle Unterstützung, die 2008 die Einrichtung des Tycho-Brahe-Preises der EAS (heute Tycho-Brahe-Medaille) ermöglichte. Dieser Preis würdigt die herausragende Nutzung oder Entwicklung europäischer Instrumente, die zu bedeutenden Entdeckungen geführt haben. Der Kleinplanet 9761, der zwischen Mars und Jupiter die Sonne umkreist, erhielt den offiziellen Namen „Krautter“ in Anerkennung seiner zahlreichen Beiträge zur europäischen Astronomie.

Joachim Krautter ging auf in seiner Rolle als Ehemann und Vater zweier Töchter. Er liebte Musik und reiste mit seiner Frau zu den besten Opernaufführungen, für die Karten erhältlich waren. Die Sammlung edler Tropfen, insbesondere von Weißweinen aus der Wachau, in seinem gut gepflegten Weinkeller war legendär. Er spielte leidenschaftlich Golf und Tennis und ging dabei stets bis an seine Grenzen. Seine Offenheit, Herzlichkeit und sein Humor wurden von Freunden und Kollegen sehr geschätzt. Joachim Krautters Markenzeichen war sein unverwechselbares Lachen, das ein ganzes Bürogebäude erfüllen konnte. Seine sonore Stimme wird noch lange in den Ohren all derer nachklingen, die ihn kannten.

 

Picture courtesy of Sumner Starrfield, Tempe, AZ