Heidelberg als Studienort

Heidelberg - hier begegnen wir einem wahren Mythos. In kaum einer anderen Universitätsstadt sind Natur und Geschichte, Geist und Lebensfreude eine so einzigartige Verbindung eingegangen.

Heidelberg - hier begegnen wir einem wahren Mythos. In kaum einer anderen Universitätsstadt sind Natur und Geschichte, Geist und Lebensfreude eine so einzigartige Verbindung eingegangen. Wo der Neckar aus dem Tal zwischen den grünen Hängen des Odenwalds hinaus in die Weiten der fruchtbaren Rheinebene fließt, wo die renaissanceprächtige Ruine des Schlosses im schönsten Kontrast zur sie umgebenden, ewig jungen Natur steht und wo sich zu ihren Füßen das geschlossene Ensemble einer pittoresken Altstadt erstreckt, wo ein fast mediterranes Klima Spargel, Wein und Lebensgeister fördert - dort können sich Geist und Sinne in mancherlei Vielfalt ausbreiten.

 

Die Eindrücke, die von Stadt und Landschaft ausgehen, haben Dichter, Maler und Musiker aller Epochen zu zahllosen Hymnen auf die Stadt veranlaßt. Insbesondere die Romantiker sahen sich von diesem ,,locus amoenus`` des Geisteslebens inspiriert. Aber auch ausländische Besucher verfallen dem Reiz der Stadt.

 

Unter derart günstigen Umständen kann sich studentisches Leben ungehindert entfalten. So berichten schon die ältesten Quellen von einem lebhaften, nicht immer konfliktfreien Studentenleben in Heidelberg. Soweit die Verbotslisten, die das (Nacht-)Leben der Studenten regelten, Rückschlüsse auf ihre Lebensweise zulassen, waren ausgelassene Feiern und ein freizügiger Lebenswandel schon immer ein Kennzeichen studentischen Lebens, zu dem die einfachen Bürger - keineswegs nur in Sorge um ihre Töchter - auf Distanz gingen. Der mit studentischen Graffiti reich verzierte Karzer, heute eine der beliebten Touristenattraktionen Heidelbergs, gehörte offenbar notwendig zum Alltag vergangener Zeiten. Freilich konnte sich ein derartiger Freiheitsanspruch, den wir als Vorbereitung für einen späteren verantwortungsvollen Platz im Leben betrachten wollen, auch von seiner gesellschaftlichen und politischen Seite zeigen. Anfang des 19. Jahrhunderts zog der süddeutsche Liberalismus vor allem Heidelberger Studenten in seinen Bann: Mit Nachdruck setzten sich verschiedene Studentengenerationen für die Verwirklichung republikanischer Ideen und für eine Reichsverfassung ein. Heute engagieren sich Studenten eher fachbezogen. Sie nehmen teil an internationalen Begegnungen, organisieren eigene Symposien oder vermitteln eigenverantwortlich Praktikumsstellen und Firmenkontakte. Studentische Fachschaften beraten Studienanfänger, evaluieren die Lehrleistung von Professoren und betreuen ein weites Netz sozialer Hilfsmaßnahmen.

 

Die von studentischem Leben geprägte Stadt hat - bei allem Wandel und aller Offenheit für moderne kulturelle Entwicklungen - ihren Charakter als Wiege für ein noch immer ,,romantisch`` anmutendes Studentenleben bewahrt. Noch immer laden die Lokale der Altstadt in stattlicher Zahl, öffnet sich das Schloß für beschauliche Besuche oder rauschende Feste; noch immer bieten Philosophenweg, Neckarwiese und Schloßhof ein sinnenfrohes Refugium für Geist und Herz - den Blick auf Schloß und Altstadt eingeschlossen. Stadttheater, zahlreiche Amateurtheater, Filmfestivals und Museen, von denen wir einige im folgenden vorstellen werden, sorgen auf breiter Grundlage für ein anspruchsvolles kulturelles Angebot. Der zum Kulturzentrum umgebaute Karlstorbahnhof bietet ein Forum für subkulturellen Zeitgeist. Eine reiche Musikszene, welche die Pflege alter Kirchenmusik ebenso betont, wie sie Jazz und Popmusik fördert, gehört genauso selbstverständlich zum Erscheinungsbild der Stadt, wie die unzähligen Sportmöglichkeiten, die vom Rudern auf dem Neckar bis zum Olympiastützpunkt auf dem neuen Campus der Universität allen Leistungserwartungen gerecht werden. In diese kulturelle Vielfalt sind die verschiedenen Chöre und Orchester, Theatergruppen und politischen Diskussionsforen der Universität gut eingebunden.

 

Zur Lebenskunst gehört es aber nicht nur, alle sich bietenden Möglichkeiten zu ergreifen, sondern auch in verantwortlicher Nutzung einer von unwiederholbarer Freiheit und Kreativität gekennzeichneten Lebensphase die Bildungsangebote einer weltberühmten Alma Mater und den Genuß eines erfahrungsreichen Studentenlebens mit dem Engagement für das Studium und der Freude am forschenden Lernen zu vereinen. Dieses verspricht der geeignete Weg zu einer abgerundeten und zugleich offenen akademischen Persönlichkeit zu sein.

 

Unzähligen Studentengenerationen hat Heidelberg das eingeprägt, was Karl Jaspers den ,,Heidelberger Geist`` nennt. Als dann im Jahr 1996 eine Vereinigung Heidelberg Alumni International ins Leben gerufen wurde, zeigte die Zahl der zu Hunderten aus allen Kontinenten angereisten Alumni, daß Universität und Stadt bislang ihr Versprechen eingelöst haben, einen jeden, der sich dem lebendigen Geist offenhält, ,,wie seine Heimat`` anzublicken.

 
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